Aus dem Parlament (November 2021)

Ein verkehrsfreies Zentrum Oberwetzikon - wie dies vom Initiativ-Komitee gefordert wird - wer möchte das nicht? Die Initiative hat ganz viele positive Aspekte - und dennoch haben wir als EDU im Parlament, wie die meisten unserer Kolleginnen und Kollegen, der Initiative nicht zugestimmt!

Im Grundsatz wissen wir alle, dass wir in Wetzikon ein Verkehrskapazitätsproblem haben. Unser Strassensystem ist in den Stosszeiten zu 100% ausgelastet und vielfach überlastet. Dies ist in den Verkehrsstudien gut dargestellt und wir alle wissen, spätestens seit dem Bau der Usterstrasse, was es heisst, wenn wir auf eine Achse (Strasse) zusätzlich Verkehr bringen: unser System bricht zusammen!

Von daher wäre eine Entlastung bzw. ein verkehrsfreies Zentrum nur mit einer oder allenfalls mehrerer neuen Strassen realisierbar.

Eine Aufklassifizierung von bestehenden Strassen, wo der Verkehr umgeleitet werden kann, bzw. bei Umleitungen über das vorhandene Strassennetz kommen diverse Verkehrs-Studien zum Ergebnis, dass dies nur zu neuen Verkehrsengpässen bzw. Staupunkten führen würde und der Verkehrsfluss nicht mehr gewährleistet wird. Zu diesem kann und will der Kanton als Strassenbesitzer der Bahnhofstrasse natürlich keine Hand bieten. Von daher bleibt nur der Neubau einer oder mehreren Strassenverbindungen.

Da die Westtangente nicht gebaut wird, bleibt eigentlich nur noch die Spange Pappelenstrasse übrig, um ein verkehrsfreies Zentrum zu realisieren. Die Verbindung von der Pappelenstrasse zur Weststrasse würde vom Kreisel Migros durch eine neue Bahnunterführung über die Färberwiese zum Kreisel Wydum an die Weststrasse geführt.

Dies ist eine teure Variante, welche wohl das Zentrum entlasten würde, hat aber auch einige gravierende Nachteile. So müsste eine sehr teure Unterführung im Bereich Bahndamm realisiert werden. Hier sprechen wir von einem Millionenbauwerk, da grosszügige Anpassungen - sprich Rampen - aufgrund der knappen Höhe des Bahndammes gebaut werden müssten. Im Weiteren käme der Strassenbereich auf der Seite Wydum (Färberwiese) in die letzte grosse Baulandreserve der Stadt zu liegen, welche wir höchstwahrscheinlich besser für einen späteren Schulhausbau, der in den nächsten Jahren in diesem Gebiet ansteht, behalten würden. Zusätzlich würden wir hier sehr grosszügig Bauland verschenken. Dass wir dieses Strassenprojekt sehr wahrscheinlich als Stadt selber bezahlen müssten, da der Kanton ja bereits eine Strasse hat, versteht sich von selbst, obwohl dies gewisse politische Kreise in unserer Stadt anders sehen. Neben den finanziellen Aspekten und der selbst benötigten Landreserve geht es aber auch um die Bewohner des Quartiers Wydum, welche dort in den letzten Jahren sesshaft wurden (man spricht von 3000 Bewohnern) und dieses Quartier würde massiven Emissionen ausgesetzt.

Ein verkehrsfreies Zentrum Oberwetzikon wäre wohl eine gute Sache, aber ohne grosse Einschnitte bzw. Opfer von der einen oder anderen Seite nicht zu realisieren. So sind auch all die Varianten, die von den vielen «Verkehrsexperten» unter uns Politikern schon mehrfach auf den Tisch gebracht und geprüft wurden, alle gescheitert. Auch die Initiative selbst beinhaltet keine neuen Lösungsansätze und so würde die Annahme nur zu neuen und wohl ähnlichen Studienergebnissen wie bisher führen, nach dem Motto: „In Wetzikon nichts Neues“. Von daher bringt eine Annahme der Initiative ausser zusätzlichen Kosten und Aufwänden nichts. Wir würden ernüchternd in ein paar Jahren das Ganze wohl wieder begraben. Aus diesem Grund lehnen wir die gut gemeinte Initiative klar ab.