Nein zur Tierhaltungsinitiative

Die Massentierhaltungsinitiative ist ein radikaler Angriff auf die Schweizerische Landdwirtschaft. Sie fordert, dass der Bund die Würde der Tieren in der landwirtschaftlichen Tierhaltung schützt. Diese "Würde" wird allerdings nicht definiert - dafür sieht die Initiative gewaltige Regulierungen vor.

Andreas Gafner, Nationalrat EDU BE

Schweiz als Tierschutz-Spitzenreiter

In der Schweiz sind die Höchsttierbestände in der Fleisch- und Eierproduktion per Verordnung geregelt. Die Platzansprüche sind pro Tier festgelegt und bei einer Überbelegung gibt es Sanktionen. Sanktionen, die finanziell weh tun! Zu meiner Interpellation «Schweizer Tierschutz im internationalen Vergleich» schreibt der Bundesrat in seiner Antwort klar, in der Schweiz werde deutlich mehr für die tierschutzrelevanten Bereiche geregelt als in den angrenzenden Ländern. Betreffend «ausreichendes Platzangebot» schreibt der Bundesrat, dass im Gegensatz zur Schweiz in der EU detaillierte Richtlinien zur Haltung von Milch- und Mastvieh, Schafen, Ziegen und Pferden sowie von Geflügelarten weitgehend fehlen.

In Sachen Tierschutz sind wir in der Schweiz auf gutem Weg. Aus meiner mehr als 20-jährigen Erfahrung als Tierschutz-Kontrolleur weiss ich, dass das Tierwohl nicht mit der Anzahl gehaltener Tiere auf einem Betrieb im Zusammenhang steht, sondern viel mehr mit der Infrastruktur, dem Betriebsmanagement und der Eignung des Betriebsleiters. In den letzten Jahren sind baulich enorme Fortschritte gemacht worden. Das Platzangebot wurde erweitert, der Luftzirkulation und dem Licht wurde mehr Beachtung geschenkt.

Versorgungssicherheit in Gefahr

Die Auswirkungen der Initiative auf die Landwirtschaft und die Versorgungssicherheit in der Schweiz wären fatal. Zwar gaukeln uns die Befürworter vor, es wären nur ganz wenige Grossbetriebe betroffen. Dies stimmt jedoch nicht, denn sie würde auch die allermeisten Anbindeställe für Rindvieh tangieren. Hier wären vor allem kleinere Betriebe mit wenig Tieren betroffen.
Mit den bestehenden Labels geniesst das Tierwohl bereits einen hohen Stellenwert. Leider hat man aber feststellen müssen, dass der den Landwirten damit entstehende Mehraufwand nur ungerne vom Konsumenten über den gerechtfertigten höheren Preis abgegolten wird. Nun die ganze Produktion auf Bio-Standard umzustellen – wie dies die Initiative de facto anstrebt –, würde die Inlandproduktion erheblich schwächen und zu massiv höheren Importen führen. Betriebe, die sich neu ausgerichtet und investiert haben, würden mit der Annahme dieser extremen Forderungen schwer zurückgeworfen.

Wirtschaftlicher Schaden

Dazu kommt die raumplanerische Komponente: zahlreiche Hallen, z.B. für Poulet-Mast, sind auf die geltenden Höchstbestände hin geplant und gebaut worden. Es ist doch absurd, in einer auf 18‘000 Poulets ausgerichteten Halle nur noch 2‘000 und in der Ausmastphase nur noch 500 Stück zu halten. Der Platzverschleiss wäre immens und um unsere Bevölkerung weiterhin mit qualitativ hochstehenden Lebensmitteln aus Schweizer Produktion zu versorgen, müssten unzählige kleinere oder mobile Ställe erstellt werden. Zudem muss man sich bewusst sein, dass wenn jemand in eine Masthalle nach geltendem Recht investiert hat, man nicht so einfach auf eine x-fach tiefere Produktion umstellen kann, ohne wirtschaftlich grossen Schaden zu erleiden. Schweine- und Poulet-Mast, sowie die Eierproduktion werden dadurch in der Schweiz in Frage gestellt.

Mehr Lebensmittelimporte

Die extreme Tierhaltungsinitiative würde uns noch stärker von Lebensmittelimporten abhängig machen. Das heimliche Ziel der Initianten ist wohl, den Fleischkonsum in der Schweiz drastisch zu senken. Schenken wir unseren Bauernfamilien das Vertrauen, das sie brauchen und verdienen, um täglich vollen Einsatz in ihren Betrieben zu geben und stimmen sie NEIN zu dieser unnötigen Initiative.